Was kann Yoga bewirken?

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Sobald ich den Wunsch verspüre, etwas in meinem Leben zu verändern, und offen und neugierig bin für Neues, dann ist es vielleicht der Moment, mich mit Yoga auseinanderzusetzen.

 

Was bringt es mir, Yoga zu üben?

Eigentlich nichts, wenn ich nicht regelmässig übe. Regelmässig üben bedeutet nicht unbedingt, jeden Tag zu üben, sondern immer wieder – über Wochen, Monate, Jahre hinaus, vielleicht sogar ein Leben lang. Yoga Üben ist eine Disziplin, und zwar im Sinne von: „Ich erinnere mich daran, was ich wirklich will“. Es ist ein Willensakt, aber nicht während des Übens, sondern, um mich immer wieder in die Situation des Übens zu bringen.

Im Yoga gilt der Grundsatz, sich selbst und anderen keinen Scha­den zufügen. Das bedeutet, dass ich mein Leistungsdenken und meinen Ehrgeiz, so schnell wie möglich und möglichst als Beste zum Ziel zu gelangen, auf Kosten anderer oder auf Kosten meiner wirklichen Bedürfnisse, auf die Seite legen kann. Denn nach den ersten Übungensstunden wird überraschend die Frage im Raum stehen: Ja, um welches Ziel, um was geht es eigentlich im Yoga?

Was ist Yoga?

Yoga ist ein umfassendes Gesundheitssystem mit präzisen Anleitungen und Techniken, die von jungen und alten, von kran-ken und gesunden, von beweg-lichen und steifen, von gebildeten und ungebildeten Menschen geübt werden können. Nur: jede und jeder nach seinem Mass!

Mein Mass wieder erkennen heisst, die Übungen geduldig meinen Begabungen und Möglichkeiten anpassen, was zum Beispiel im hatha Yoga bedeutet, Stellungen meinem Körper, und nicht, meinen Körper den Stellungen anzupassen, mich also nicht mit Willensanstrengung in eine Haltung hineinzuzwängen!

Wird von Yoga gesprochen, so sind meistens Übungen aus dem Bereich des hatha yoga gemeint, d.h. Körperstellungen dynamisch und statisch einnehmen, Atemachtsamkeit und damit Konzentration üben.

Wie übe ich Yoga richtig?

Das ist eine Frage der Haltung, das bedeutet, es hängt ab von meiner äusseren Haltung, und damit von meinem Körpergefühl, aber auch von meiner inneren Haltung, also von meiner Einstellung und meinen Erwartungen mir selbst und den Yoga Übungen gegenüber.

Ein Aspekt von Yoga ist, die innere und die äussere Haltung wieder in Einklang zu bringen: ich lenke meine Gedanken immer wieder, geduldig, aber hartnäckig auf meinen Atem und auf die Übung zurück, die ich gerade am Tun bin. Es wird immer weniger wichtig, was ich alles noch machen sollte, oder was ich alles schon gemacht habe. Ich kann wieder den Moment geniessen und zur stillen Betrachterin werden: Was geht hier eigentlich vor? Wie fühle ich mich? Was beobachte ich? Was für Gedanken und Empfindungen sind da?

Mich auf diese Momente immer wieder einlassen, führt zur Selbst­disziplin, zur Selbstüberwindung und damit zum Sieg über mich selbst: Es gibt keinen Graben mehr zwischen meinem Wunschdenken, und dem, was ich wirklich tue; zwischen der, die ich bin, und der, die ich gerne sein möchte.

Ich erfahre meine Grenzen, erkenne vielleicht, dass ich sie selbst, zu eng oder zu weit, gesteckt habe. Sie sind Wider­stände, an denen ich mich auf­richten und stärken kann. Wenn ich wirklich will, kann ich sie mit Geduld und regelmässigem Üben verändern oder sogar überwinden. Damit übernehme ich mehr Verantwortung für mein Wohlbefinden, und damit für mein Leben.

Aus welcher Quelle stammt Yoga?

Einerseits berufen sich alle heute bekannten Yoga Techniken auf schriftliche und mündliche Überlie­ferungen aus dem Subkontinent Indien. Yoga ist also indisches Kul­turgut: ein uraltes Wissen, das nicht als theoretische Wissen­schaft, sondern ganz pragmatisch und praktisch von LehrerInnen an SchülerInnen vermittelt wird.

Anderseits kann jeder Mensch den Kern von Yoga in sich selbst ent­decken, ganz unabhängig von seiner Herkunft. Es ist der tiefe Wunsch, mir Zeit für mich zu nehmen, gesund zu bleiben oder wieder gesund zu werden, mich mit mir selber ernsthaft auseinan­dersetzen, mich selber kennenler­nen, um mich und die anderen besser zu verstehen, und damit friedvoller zu erleben.

Wer vermittelt Yoga?

Da Yoga eine Erfahrungswissen­schaft ist und nicht auf Spekula­tionen beruht, bleibt nichts anderes übrig, als mich auf yoga Übungen einzulassen, um über­haupt prüfen zu können, ob Yoga wirklich etwas zu meinem Wohlbe­finden und zum besseren Ver­ständnis für mein Leben beitragen kann. Es lohnt sich, Yoga, seinen Lehrkräften und all den angebo­tenen Techniken kritisch und offen zu gleich zu begegnen.

Yoga Übungen müssen im eige­nen Körper umgesetzt und erfahren sein, bevor sie weiter­vermittelt werden können. Das bedeutet, dass jede Yoga Lehrende mit der Zeit einen ganz eigenen Stil prägt. Das wiederum ist wichtig zu wissen, wenn wir mit Yoga Üben beginnen und uns einer Fachkraft anvertrauen. Sie kann uns einen möglichen Aspekt von Yoga vermitteln, und uns er­mutigen, unsere eigene Yoga Praxis zu entwickeln. Es lohnt sich, die vorgeschlagenen Anleitungen und Techniken unvoreingenom­men anzunehmen, für sich zu prüfen und sie unserem Wesen, unserer Verfassung und unserem Verständnis entsprechend zu üben.

Das kann Yoga bewirken!

Yoga kann uns freier, entspannter und grosszügiger machen. Hatha Yoga weitet unser Atemvermögen, schafft Raum in uns, um Neues zuzulassen, erhöht unsere Konzen­trationsfähigkeit, macht uns kräftiger und geschmeidiger – wenn wir regelmässig üben! Yoga ist eine Disziplin: „Ich erinnere mich daran, was ich wirklich will“.